Totale Überwachung bald auch im Schlafzimmer.

Die – zugegebenermassen – kleine Flamme der Empörung über die Machenschaften der Geheimdienste und deren flächendeckende Überwachung, unbescholtener Bürger, ist kaum erloschen, schon zündet die nächste Stufe der dreisten Missachtung von Privatsphäre und demokratischer Grundrechte. Energie Wasser Bern startet in den nächsten Wochen das Projekt «Smart Meter». Was auf den ersten Blick elegant klingt ist in Wirklichkeit ganz schön gerissen. Energiemultis, Geheimdienste aber auch kriminelle Organisationen erhalten schon bald die Möglichkeit, sich «legal» 7/24 in unser Leben einzuhacken.

Die Kunden von EWB müssen sich 2014 «gratis» ein Gerät an ihren Zähler anschliessen lassen, mit dessen Hilfe der Kunde im Stande sein soll, die grössten Stromfresser ausfindig zu machen. So sollen diese «autonom» den Stromverbrauch optimieren können. Als intelligentes Stromnetz soll der iStrom namens «SmartGrid» den Verbrauchern weltweit Freiheiten schenken, welche diese schon immer vermisst haben sollen. Das Gerät erzeugt «Stromnetze, welche durch ein abgestimmtes Management mittels zeitnaher und bidirektionaler Kommunikation zwischen Netzkomponenten, Erzeugern, Speichern und Verbrauchern einen energie- und kosteneffizienten Systembetrieb für zukünftige Anforderungen unterstützen.» (O-Ton EWB)

Dem aufmerksamen Leser sollten spätestens jetzt die Nackenhaare aufstellen. Denn genau mit diesen Argumenten wurde uns in den letzten Jahren das Internet angepriesen. Luca Caracciolo beschreibt in seinem Artikel eindrucksvoll, welch hohen Preis wir für das Recht auf allzeit verfügbare Kommunikation bezahlt haben. Wir alle haben damit vermeintlich die Freiheit erhalten, uns jederzeit Informationen beschaffen, mit Freunden in aller Welt Kontakt aufnehmen oder rund um die Uhr einkaufen zu können. Auf die Kehrseite der Medaille machte uns Edgar Snowden dieses Jahr schmerzlich aufmerksam. Niemand ist heute mehr sicher vor dem weltumspannenden Überwachungswahn der Staatlichen Institutionen. Egal ob Diktatur, Monarchie oder Demokratie, sämtliche Regierungen dieser Welt haben Angst. Angst vor eben genau diesen Freiheiten ihrer eigenen Bürger. Mit Freiheiten muss man umgehen können und weil uns dies der Staat nicht zu traut, werden wir überwacht. Vordergründig wird uns dies als präventiver Schutz vor Terrorismus verkauft. In Tatsache hat uns das «freie» Internet zum gläsernen Bürger gemacht, welcher – ist der Computer erst mal ans Netz gehängt – auf Schritt und Tritt gescannt werden kann.

Verbrechen lohnt sich …

… für die Energielobby, Hobbyschnüffler und den Überwachungsstaat. Bis heute hatten die kleinen Revoluzzer unter uns noch die Möglichkeit des passiven Widerstands, indem sie sich ab und an mal für ein paar Stunden aus dem Netz verabschiedet und den Computer vom Internet getrennt haben. Doch damit soll schon bald Schluss sein. Aber worum geht es bei dieser neuen, «unverzichtbaren Technologie» denn wirklich?
Einmal angeschlossen, zählt das Gerät fleissig mit und teilt dem «mündigen» Bürger geflissentlich mit, ob Geräte gerade Strom ziehen und in welchem Masse diese Energie fressen. Der Konsument soll so in der Lage sein, seine Wäsche nur noch bei Niedertarif zu waschen. Aha? Wahnsinn!!! Da sich das smarte Kästchen mit einer App verbinden lässt, spricht der Zähler auch mit dem Smarphone. So sollen wir bald schon beruhigt in die Ferien fahren und potenzielle Einbrecher von der Strandliege auffliegen lassen können. Knipst da nämlich mal so ein Bösewicht den Schalter an, machen wir ihm via mobile Device gleich wieder das Licht aus. Das Gerät schaltet also sofort auf Alarm, weil die Dumpfbacke von einem Einbrecher die Taschenlampe vergessen hat und Strom braucht um mir die Bude ausräumen zu können. Oho, das kann was, dieses kleine Helferlein!

Mit der NSA ins Bett

Schiebt man mal den Schleier der vermeintlich unverzichtbaren Nutzervorteile bei Seite, zeigt sich das Wahre Potenzial des «Smart Meters»! Werber, Privatschnüffler, Telekom, Fernseh- & Radiostationen, Unternehmen, Staat und Geheimdienste reiben sich heute schon lechzend die Hände über die bevorstehende Datenflut an Informationen und das immense Potenzial an krimineller Energie jeglicher Couleur, welche sich damit künftig nutzen lassen. Das #SmartGrid informiert nämlich darüber, wann, welches Gerät wo und wie lange Strom frisst. Mit Hilfe dieses Tools kann eruiert werden, welcher Sender, welche Radiostation gerade übertragen wird. Ist es nun die Lese- oder Nachttischlampe, welche brennt oder etwa doch die Waschmaschine im Material schonenden Feinwaschgang? Wie sind die Gewohnheiten des Mieters, wann verlässt er das Haus und weshalb kehrt er jeweils erst früh morgens wieder zurück …? Alles Fragen, deren Antworten nicht in falsche Hände fallen sollten. Doch spinnen wir die Gedanken noch etwas weiter. Hängt der Computer nämlich erst einmal am Stromnetz, ist es für das organisierte Verbrechen – und hier sind ausnahmsweise mal nicht ausschliesslich die Geheimdienste gemeint – ein Leichtes, sich ins Netz einzuhacken und sich nach Belieben zu bedienen …

Mir jedenfalls kommt ein solches Gerät niemals ans Netz, weil es niemanden etwas angeht, was in meinen privaten vier Wänden geschieht, egal, ob ich mir nun die Zähne putze, ein Glas Wasser trinke oder meinen Wintergarten dauerbeheize …

Dieser Kurzfilm veranschaulicht eindrücklich, wohin die Reise des totalitären Überwachungsstaates via smartem «Stromzähler» geht.