One more thing …

Bildschirmfoto 2014-09-10 um 11.12.31

Eines sei hier bereits vorneweg erwähnt: «Neuigkeiten wurden am gestrigen Apple-Event keine präsentiert.» Dafür haben sich beinahe sämtliche Leaks und Gerüchte rund um die neue Produkte-Palette als zu real heraus gestellt. Sieht man mal davon ab, dass in Apples Flaggschiffen, iPhone 6 und 6+ nun doch kein Saphirglas verbaut werden soll, lanciert das Unternehmen erwartungsgemäss zwei neue Bildschirmgrössen fürs iPhone, will den Markt mit einem neuen Bezahlsystem aufmischen und steigt es nun – wie längst erwartet – ins Business der sogenannten Wearables ein.

Live geht anders!
Und Apple wüsste eigentlich wie … Am auffälligsten und durchaus überraschend wurde gestern der grösste Faux Pas in Apples Live-Übertragungs-Geschichte wahr genommen! Denn während bestimmt Millionen neugieriger Zuschauer gespannt vor ihren Bildschirmen auf den Live-Stream des Events warteten, brach das System mehrfach zusammen, war zeitweise komplett vom Netz und wurde das Publikum Minuten lang vom japanischen Geschwafel einer Simultanübersetzerin genervt! Nun, hoffen wir mal, dass wenigstens die Hardware das hält, was den verbliebenen Zuschauern gestern vom Apple-Leaderboard im Sekundentakt vor gebetet wurde.

Das schönste, beste, schnellste …

Ob das neue iPhone nun das beste, schönste, schnellste Device der Welt sein wird, entscheidet letztlich der Markt. Mir gleichen die beiden Aushängeschilde in seiner neuen Ausprägung nun zu sehr einem Samsung Galaxy. Dieser Umstand ist vor allem zwei augenscheinlichen Änderungen geschuldet. Apple verabschiedet sich (endlich) wieder vom unhandlichen, kantigen Design und es bringt nun doch zwei Übergrössen, welche scheinbar vom Markt gefordert wurden …

Ob es nun doch auf die Grösse ankommt oder ob weiterhin die inneren Werte zählen, sei erst einmal dahin gestellt. Wer sich in naher Zukunft für die Anschaffung des 5.5-Zoll-iPhones entscheidet, spart sich wenigstens das iPad-Mini. Aber auch die 4.7-Zoll-Variante lässt sich nur noch mit grossen Pranken einhändig bedienen. Ob das im Sinne des Erfinders war, bleibt für immer ein Geheimnis. Ich werde den Apple-Store jedenfalls nicht gleich stürmen, bevor das iPone 6 nicht (wohl in seiner S-Ausprägung, Herbst 2015) das längst fällige Saphirglas verpasst kriegt.
Blendet man nämlich die gebetsmühlenartig vorgetragene Augenwischerei der gestrigen Referenten aus, bleiben zwei grosse, um nicht gleich zu sagen riesige, unhandlich zu bedienende und wohl etwas schnellere iPhones übrig, welche mit Technologien ausgestattet wurden, die zumindest in Europa noch eine ganze Weile kaum Relevanz haben dürften.

Hokuspokus …
Dem Umstand, dass – insbesondere das iPhone6+ – kaum mehr mit einer Hand bedient werden kann, treten die Apple-Entwickler mit einer «ausgesprochen sensationellen» Innovation (einem «Trick») entgegen. Per Doppelklick auf den Home-Button verschiebt sich der gesamte Bildschirminhalt (die Menuleiste) um die Hälfte nach unten (…). Wow …? Zurück bleibt ein hälftig schwarzer Bildschirm und ein fauler Kompromiss, welcher wohl  bestätigt, dass zumindest die Apple-Welt keine Bildschirmübergrössen braucht und sie nun dennoch bekommt. Es bleibt abzuwarten, was sich zuerst vom Markt verabschiedet, das iPad Mini oder die Plus-Variante des iPhones.

Hochstehende Bilder dank neuer Technologie?
Die Kamera bringt weiterhin lediglich 8 Megapixel auf den Chip und soll dank neuer Technologien dennoch für nachweislich bessere Resultate sorgen. Zum einen wurde die Kameralinse mit einem Bildstabilisator ausgestattet. Wobei (nur) beim 6+ die Linse auch physisch «stabilisiert» wurde. Was vor allem bei schlechten Lichtverhältnissen für ansprechende Resultate sorgen soll. Zum anderen führt Apple sogenannte Focus-Pixel ein. Gewöhnungsbedürftig wird der vorstehende Kamera-Ring auf der Rückseite des Devices sein. Die Auflösung der neuen Devices heisst nun «Retina HD» und weisst beim 6+ eine Pixel-Dichte von 2 Mio. Pixeln auf. Ein eingebauter Sensor misst nun auch Höhenunterschiede und mit den neuen iPhones soll in Bälde bezahlt werden können. Apple Pay nennt sich der neue Dienst, welcher vorerst der amerikanischen Klientel vorbehalten bleibt. In Europa wird dieser jedoch noch weit bis ins 2015 hinein auf sich warten lassen und ob er sich letztlich hierzulande etablieren wird, entscheidet der Markt und hängt nicht zuletzt davon ab, ob die von Apple gemachten Sicherheits- und Privacy-Versprechen auch wirklich eingehalten werden können. In Amerika bezahlt heute kaum mehr jemand mit Bargeld, während die Kreditkarte in unseren Graden nach wie vor um eine Flächendeckende Akzeptanz kämpft. Geld ist mit der neuen Apple-Technologie jedoch bestimmt noch schneller ausgegeben. Und darum geht’s dem freien Markt ja bekanntlich. Die Schuldenberater wird’s freuen … Interessant wäre dabei noch, wie viel Tantiemen bei jeder Transaktion an Apple fliessen?

Zwischenfazit: Die neuen Devices stellen eine solide Weiterentwicklung der iPhone-Linie dar, lassen aber zumindest mich den Apple-Store nicht gleich stürmen. Zumal ich mit der grösse meines 5s mehr als zufrieden bin und jener Fraktion angehöre, welche Übergrössen im Phone-Markt schon immer als überbewertet empfunden habe …

iPhone für Arme oder ich bin auch eine Uhr

Geht es nach Apple, soll unser Handgelenk demnächst mit einem neuen Gadget bestückt werden. Es handelt sich dabei jedoch in erster Linie nicht um ein iPhone für den Arm sondern um einen ausgewachsenen Fitness-Tracker. Denn auch wenn das Gehäuse-Design an ein geschrumpftes iPhone-Classic (also bereits etwas retro) erinnert und deshalb zumindest etwas gewöhnungsbedürftig erscheinen mag, kann man mit dem Mini-Computer lediglich Telefongespräche auslösen, fürs Plaudern benötigt man (glücklicherweise) weiterhin ein iPhone. Mutet das Gehäuse-Design etwas gar geekig und klobig an, sind es hier definitiv die inneren Werte, welche überzeugen! Apple hat mit der neuen Linie wieder einmal allen gezeigt, wie Livestyle in einer neuen Produkte-Kategorie geht.

watch

Zeig mir deine Uhr und wir zeigen dir, wer du bist
Dass es sich hierbei unter anderem auch um eine Uhr handelt, ist eher als nebensächlich zu betrachten. Der Markt schreit seit Monaten nach einem multifunktionalen Fitness-Tracker und den wird er Anfang 2015 auch aus Cupertino erhalten. Mit dem neuen Armschmuck wird man künftig bezahlen können, Apple-Devices steuern, Fitness-Werte tracken, SMS (wohl eher Voice-Messages) versenden und auf eine bisher unbekannte Art und Weise mit Freunden kommunizieren. Doch Vorsicht! Ohne iPhone geht nichts! Damit bleibt sich der Konzern mit seinem Konzept des geschlossenen Biotopes zwar treu, ob dies der Marktdurchdringung der Apple Watch jedoch nützt, steht auf einem anderen Blatt. Immerhin «spricht» die Apple Watch auch mit den Phones der 5er-Serie. Fest steht, dass die Apple Watch unendlich individualisierbar sein wird. Die Armbänder werden in zig Varianten ausgeliefert, selbst die Watch gibt es in drei Ausprägungen und auch das Gehäuse ist auswechselbar. Damit die Bedienung des Mini-Computers nicht etwas gar friemelig wird, haben sich die Entwickler eine neue Form der Bedienung ausgedacht. Zentrale Bedeutung wird hier die Bedien-Krone erhalten, welche seitlich am Gerät angebracht wurde und in analogen Zeiten zwecks aufziehen der Uhr diente. Do You Remember?

Die einen freut’s, die andern reut’s.
Fest steht, in den letzten Monaten haben sich Millionen zu Tracking-Junkies entwickelt, mit der Apple Watch kriegt diese Zielgruppe nun ein hochwertiges Produkt an den Arm, mit welchem  jeder F*** überwacht werden kann. Ob sich die «Uhr» jedoch wie von Apple gewünscht etablieren wird, hängt von der Usability, der Akkulaufzeit, dem Privacy-Versprechen und letztlich der Markt-Akzeptanz ab, ob es wirklich nötig ist, dass künftig jeder Pulsschlag gemessen und letztlich in der Cloud platziert werden soll … Die hochpreisige Qualitäts-Uhren-Industrie in der Schweiz wird sich jedenfalls wieder zurück lehnen, während die Unternehmensleitung bei Swatch gestern mehrmals leer geschluckt haben wird. Den Fitness-Tracker-Anbietern hat Apple mit der gestrigen Ankündigung das Weihnachtsgeschäft jedenfalls mächtig versalzen. Nike hat sich, mit seinem Fuel-Band  – auf Rat von Apple – hardwareseitig längst aus diesem Geschäft zurück gezogen. Dafür wurde die entsprechende Software aber bereits fix in iOS8 verbaut, welches ab dem 19. September zum Download bereit stehen wird.

Ach ja, und da war ja noch U2. Gääääääääähn! Wäre Apple hier doch lieber ihrer alten Tradition gefolgt und hätte weiterhin an der Zusammenarbeit mit talentierten Newcomern fest gehalten … Die Selbstdarsteller aus Dublin habe ich inzwischen gesehen und da bin ich bestimmt nicht der einzige.

 

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