Geheimdienste stecken unter einer Decke

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Als vor einigen Monaten ein inzwischen einschlägig bekannter Edward Snowden die Weltöffentlichkeit über die Machenschaften der amerikanischen Geheimdienste und insbesondere des NSA aufklärte, wurde dies von den Medien zwar aufgenommen, die Politiker dieser Welt wiegelten jedoch allesamt gleich ab. Von #Neuland war die Rede, dass es nicht zum guten Ton gehöre, wenn man in die Privatsphäre von Bürgern «befreundeteter» Staaten eindringe. Wer aber nichts zu verbergen habe, habe  schliesslich auch nichts zu befürchten, war der einhellige Tenor.
Gleichzeitig wurde Snowden zum – sieht man mal von einer Hand voll alQaida-Schergen ab (ups ich habe doch tatsächlich den Namen ausgeschrieben, den man nicht schreiben darf) – meist gesuchten Mann auf unserem Globus. Als Landesverräter stand (steht er noch immer) da. Kein Land mag ihm Asyl gewähren, weil man es sich ja mit den allmächtigen Amis nicht anlegen will. Doch eigentlich sollten die Regierungen dem Mann allesamt dankbar sein, dass endlich mal jemand dokumentieren kann, was der aufgeklärte Bürger schon lange ahnt.

Der wahre Grund, weshalb Politiker allesamt diesen Ball lieber flach halten wollen, ist wohl, dass die Geheimdienste dieser Welt alle unter einer Decke stecken und sich die Daten der überwiegend unbescholtenen Bürger gegenseitig zu schieben. Vom Milliarden GB schweren Datenkuchen fallen genügend Krümel für lokale Schnüffler ab, so dass es ziemlich peinlich wäre, käme plötzlich ans Licht, dass sämtliche Geheimdienste lange nicht mehr nur potentielle Terroristen im Visier haben, sondern längst von einer Datenflut an Informationen über die unbescholtene (eigene) Bevölkerung überspült wurden. «Nichts, was wir je im Internet gemacht haben und weiterhin tun werden, geht den Schnüfflern mehr durch die Lappen!» Interessanterweise konnten aber gerade die Boston-Bomber nicht von ihrem Anschlag abgehalten werden, obwohl sie den Geheimdiensten eigentlich bereits ins Netz gegangen waren. Da sie aber danach plötzlich im Internet nicht mehr aktiv waren, wurden sie von der Watchlist gestrichen. Man muss ja schliesslich die vom Steuerzahler subventionierten Staats-Ressourcen vernünftig koordinieren.

«Ist ja gar nicht so schlimm, ich habe ja nichts zu verbergen», wird sich der eine oder die andere LeserIn nun denken. Was ist aber, wenn sich heute gültige Regeln eines Tages ändern und es beispielsweise – siehe Russland – einfach reicht, homosexuell zu sein, damit man über Jahre weg gesperrt werden kann? Wo bleibt das Recht auf freie Meinungsäusserung, wenn man an amerikanischen Flughäfen fest gehalten und in den Knast gesteckt wird, nur weil man im Land eine «Bombenparty» steigen lassen will und dies dummerweise kurz vor dem Abflug über Twitter verbreitet hat? Und wenn wir schon dabei sind, wie verhält es sich mit der Pressefreiheit, wenn Internet-Traffic und Mail-Verkehr von Redaktionen durch staatliche Institutionen systematisch abgegriffen und mit gelesen werden?
Würden sexuelle Präferenzen nicht über Nacht zum Thema, sollte sich der Gelegenheits-XXL-Seiten-Besucher entscheiden, in die Politik einzusteigen? In England beispielsweise steht bereits ein Gesetz in den Startlöchern, welches den Konsum von Porno im Internet unterbinden will, indem es mündige Bürger dazu zwingt, sich bei einer Behörde zu melden, falls sie sich weiterhin Erwachsenenfilme im Netz anschauen wollen, nachdem diese Sites flächendeckend gesperrt wurden … Was, wenn man plötzlich über Nacht der falschen Religion angehört? Hatten wir das nicht alles schon mal in Europa? Und wie sieht es denn eigentlich mit  Wirtschaftsspionage aus? Der Cyber-War ist längst im Gange und niemand verfasst Reglemente, Gesetze oder internationale Abkommen rund ums Thema «digitaler Datenverkehr im Internet».

Dabei sollte das Thema den Politikern aller Länder auf Jahre hinaus genügend Stoff für ihr Partei-Programm bieten. Doch, weit gefehlt! Niemand wagte es bis anhin, diese heisse Kartoffel anzufassen. Bis just zu jenem Zeitpunkt, als bekannt wurde, dass auch #Merkelphone abgehorcht wurde. Ui, war nun die Empörung gross!!! Heieiei, was war das für ein Skandal! Nicht mal mehr Frau Merkel konnte ungestört mit Freunden und Bekannten – über ihr ungesichertes Telefon – tratschen. Der geneigte Beobachter mag sich über die Naivität der Frau Bundeskanzlerin wundern. Die mächtigste Frau dieser Welt labert also 2013 noch schnurlos über ein ungesichertes Telefon? Einen Skandal mag ich hier aber beim besten Willen keinen sehen. In diesem Bereich gehört die Gegenseitige Spionage seit Jahrzehnten zum guten Ton, egal ob Freund oder Feind. Die flächendeckende Überwachung von Privatpersonen ist aber neu, einer Demokratie unwürdig und mit der Power heutiger Technologie schlicht einzigartig!

Sei’s drum, für die Medien ist der aktuelle Aktivismus der Geheimdienste seit dem «Outing» von Snowden immer ein Thema. Dass man dieses mit Hilfe moderner (Internet)-Technologien durchaus spannend, nachvollziehbar und multimedial veranschaulichen kann, beweist «The Guardian» mit diesem Artikel auf eindrücklichste Weise:

NSA FILES DECODED: What the revelations mean for you.